Bergbau im Thüringer Schiefergebirge/Lehesten Im Südosten schließt sich das Thüringer Schiefergebirge an den Thüringer Wald und zieht sich in einer Breite von etwa 20 km am Saaletal im Bereich der Saaletalsperren hin. Es besteht aus 4 Gebieten: oberes Saaletalsperren Plothener Teichgebiet hohes Schiefergebirge Sormitz-Schwarza-Gebiet Die größten Städte innerhalb des Gebietes sind: Saalfeld, Bad Blankenburg, und Bad Lobenstein. Das Thüringer Schiefergebirge besitzt gegenüber seiner Umgebung keine deutliche Abgrenzung durch Verwerfungen sondern es finden allmähliche Übergänge statt. Die Gesteine des Gebirges kommen aus dem Ordovizium, Silur und Devon sowie unteren Karbon. (Paläozoikum-Erdaltertum) Das sind insbesondere: Tonschiefer, Alaunschiefer, Kieselschiefer, Kalksteine, Sandsteine, Grauwacken und Diabase. Im südlichen Teil von Thüringen mitten im Thüringer Schiefergebirge liegt die Bergstadt Lehesten. In landschaftlich reizvoller Umgebung zwischen Wäldern, Schieferhalden und Schiefergruben ist das Gründungsdatum der Stadt nicht bekannt. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte unter ihren lateinischen Namen Lestin im Jahr 1071. Da das Gebiet relativ dünn besiedelt war ist anzunehmen das die Ortschaft keine größere Bedeutung besaß. Etwa 150 Jahre vor der ersten Erwähnung der Ortschaft sollen in der Gegend Sorben gesiedelt haben. Im 12 Jh. erfolgte der Zuzug deutscher Bevölkerung. Das Lehesten zunehmend an Bedeutung gewann beweist auch das M. Luther am 5.Oktober 1530 die Stadt besuchte und in der Lehenster Kirche predigte. Im 30 jährigen Krieg wird Lehesten Bestandteil des Fürstentums Altenburg und wurde entsprechend der Kriegslage von den verschiedenen kriegsführenden Parteien besetzt. Schiefer wird im kleinen Maßstab seit dem 13 Jh. abgebaut und im Jahr 1485 wird erstmalig urkundlich eine Schieferlieferung erwähnt. Der Lehestener Nicol Schober gründete im Jahr 1499 eine Art „Familienbetrieb“ und eröffnete einen ersten Bruch. Hier wurde vor allem Dach-und Tafelschiefer abgebaut. Schnell hatte man den Vorteil von Dachschiefer erkannt und mit der Zeit wurden viele Gebäude mit Schiefer eingedeckt. (Saalfelder Rathaus, Heidecksburg) Fährt man heute durch Lehesten oder angrenzende Orte wird man vergeblich nach einem roten Dach suchen. Konnte sich früher nur Adel und Kirche eine Schieferabdeckung leisten so ist das Gebiet heute von der Schieferabdeckung geprägt. A. v. Humboldt befuhr 1792 den alten Bruch (Staatsbruch) Im Jahr 1804 wurde das Gebiet als „Herrschaftlicher Schieferbruch Lehesten“ als Tagebau geführt. Zuvor hatte die Landesregierung von Saalfeld-Coburg das Gebiet gekauft. Ab 1826 fiel Lehesten und seine Schieferbrüche an das Herzogtum Meiningen und entsprechend wurde der Bruch nun „Herzoglicher Schieferbruch Lehesten“ genannt. Aufgrund seiner guten Qualität stieg die Produktion von Schiefer stetig an und um 1900 hatte der Bruch etwa 700 Beschäftigte. Während des 1.WK und in den Jahren der Inflation sowie der Weltwirtschaftskrise war der Abbau von Schiefer nur minimal. 1918 hatte der Herzog von Meiningen abgedankt und der Bruch hieß nun „Staatsschieferbruch Lehesten“ wurde im Volksmund aber nur Staatsbruch genannt. 1927 wurde zusätzlich zum Tagebau die Förderung im Untertagebau betrieben. Da der Untertagebau auch im Winter betrieben werden konnte stiegen die Förderungsraten. Während der Nazizeit wurde Schiefer in großen Maße als Baumaterial benötigt und der Abbau war daher staatlich subventioniert. Im 2 WK sanken dann die Abbauzahlen erneut und der Staatsbruch sowie der Oertelsbruch wurden für die Rüstung benötigt. Nach dem 2 WK besserte sich die Situation und die Brüche gingen nun in „Volkseigentum“ über. Die VEB Schiefergruben Lehesten umfassten nun auch den Oertelsbruch bei Schmiedebach, „Blaues Glück“ bei Leutenberg und „Kühler Morgen“ bei Röttersdorf. Der Untertagebau wurde 1973 eingestellt und der Staatsbruch schloss 1999 seine Tore. Im Jahr 2008 machte der Oertelsbruch pleite. Die Nachfrage nach Schiefer hat allgemein nachgelassen. Schiefer als Naturstoff unterliegt in seiner Qualität starken Schwankungen und Schichten mit abbauwürdigen Schiefer zu finden ist aufwendig. Die Herstellung von Dachschiefer ist relativ Kostenungünstig. Die Schieferplatten müssen von Hand aus gespalten und zugeschnitten werden. Schiefer ist sehr witterungsbeständig und außerdem ein guter Dämmstoff. Daher wird er in den Höhenlagen des Thüringer Waldes verwendet. Schiefer wird zur Herstellung von Dach-und Wandschiefer, Blähschiefer sowie zur Herstellung von Split verwendet. Nur im Thüringer Schiefergebirge kommt ein Dachschiefer vor der rein von anderen Gesteinen ist. Hier hat sich Kohlenstoff und Schwefel in so genannten Kieskälbern gesammelt so das der Schiefer in reinen Zustand vorliegt. (Blaue Lagerstein) Der Schiefer ist gut spaltbar, witterungs-und farbbeständig und besitzt daher gute Eigenschaften als Dachschiefer. Ein weiterer guter Schiefer ist der dunkle Lagerstein der durch Kohlenstoff schwarz gefärbt ist. Kieskälber sind auch in diesem Schiefer enthalten weswegen er ähnliche Qualitäten wie der blaue Lagerstein hat. Schiefer aus dem Silur (Phycodenschiefer) wurde zur Herstellung von Griffeln und Schiefermehl genutzt und fand auch als Brecherprodukt im Straßenbau Eingang. Der Cypridinenschiefer des oberen Devons erfuhr dieselbe Verwendung. Die wirtschaftliche Grundlage der Stadt war der Schieferabbau der bis 1999 erfolgte. Die heute aufgelassenen Schieferbrüche sind die umfangreichsten in Europa und als Besucherbergwerke zugänglich. Während der Nazizeit wurden in Schieferbruch bei Schmiedebach Triebwerke für die V2 gebaut und getestet. Hunderte Zwangsarbeiter verloren dabei ihr Leben. In Lehesten gab es ein bedeutendes Dachdecker-und Fuhrgewerbe das in Folge der Schiefergewinnung entstand. Quelle: Wikipedia Seminarfacharbeit:von Marcel Thoma, Tobias Witzgall und Marcus Bravidor Verwandte Themen Bergbau in Thüringen Bergbau in Ilmenau
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